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04.12.2025
Interview mit René Klingbeil (Trainer KSV Hessen Kassel)
KSV-Trainer Klingbeil: "Klare Struktur und Hierarchie sind wichtig"
Seitdem René Klingbeil im November 2024 das Traineramt beim KSV Hessen Kassel in der Regionalliga Südwest übernommen hat, geht es mit dem "Löwen" bergauf. Der 44-jährige gebürtige Berliner hatte das Team auf einem Abstiegsplatz übernommen und mit einer herausragenden Rückrunde noch auf einen einstelligen Tabellenplatz geführt.
In der Jahrestabelle der Südwest-Staffel belegt der KSV Hessen Kassel mit 60 Punkten aus 33 Partien hinter Ligaprimus SGV Freiberg Fußball (66 Zähler) den zweiten Tabellenplatz, liegt auch in dieser Spielzeit mit Rang neun voll im Soll. Zum Jahresabschluss steht jetzt noch am Samstag, 14 Uhr, im Rahmen des 20. Spieltages das Duell mit dem ebenfalls formstarken SV Sandhausen an.
Im Interview vor dem Spiel der Woche spricht Klingbeil über den guten Lauf des KSV Hessen, harte Trainingsarbeit und die Zielsetzung für das kommende Jahr.
Hallo René! Am Samstag steht für den KSV Hessen Kassel zum Abschluss des Fußballjahres 2025 das Heimspiel gegen den SV Sandhausen an. Wie gut siehst Du Dein Team vorbereitet?
René Klingbeil: Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe. Leider ist unsere Erfolgsserie von zuvor sieben Spielen in Folge ohne Niederlage mit dem 1:2 beim 1. FSV Mainz 05 II gerissen. Dennoch sehe ich uns in einer guten Verfassung. Wir wollen möglichst mit einem Sieg gegen SV Sandhausen für einen erfolgreichen Jahresabschluss sorgen.
Wie schätzt Du den Gegner ein?
Klingbeil: Der SV Sandhausen hat sich nach einem holprigen Saisonstart gefangen und sich mit 30 Punkten auf den siebten Tabellenplatz vorgearbeitet. SVS-Trainer Olaf Janßen hatte im Sommer eine komplett neuformierte Mannschaft übernommen, macht einen guten Job. Uns erwartet eine ganz schwierige Aufgabe.
Worauf wird es ankommen, um gegen den SVS einen guten Jahresabschluss hinzubekommen?
Klingbeil: Mit Kapitän Pascal Testroet, der schon 13 Treffer erzielt und sechs weitere Tore vorbereitet hat, verfügt der SVS über einen sehr torgefährlichen Angreifer. Ihn und auch den offensiven Mittelfeldspieler Jahn Herrmann müssen wir aus dem Spiel nehmen.
In der Jahrestabelle der Regionalliga Südwest belegt Dein Team den zweiten Platz. Dabei stand der KSV bei Deinem Amtsantritt noch auf einem Abstiegsrang. Wie bewertest Du die Entwicklung?
Klingbeil: Als ich in Kassel anfing, befand sich der Klub in höchster Abstiegsgefahr. Wir haben in der Rückrunde dann 33 Punkte geholt und so noch einen einstelligen Tabellenplatz erreicht, was größtenteils der mannschaftlichen Geschlossenheit geschuldet war. Dass wir jetzt in der Jahrestabelle auf dem zweiten Platz stehen, macht uns stolz.
Wo hast Du vor allem den Hebel angesetzt?
Klingbeil: Während der sechswöchigen Wintervorbereitung haben wir den Teamgeist aufleben lassen und extrem hart gearbeitet. Wir hatten während dieser Zeit kein Training unter zwei Stunden absolviert. Einmal sind wir von unserem Stadion bis zum Herkules-Monument gelaufen, das als Wahrzeichen zur Stadt Kassel gehört. Die Treppenläufe waren anstrengend, haben das Team aber zusammengeschweißt.
In welchen Bereichen hat die Mannschaft die größten Fortschritte gemacht?
Klingbeil: Im konditionellen Bereich haben wir überhaupt keine Probleme, was niocht zuletzt der guten Arbeit unseres Athletiktrainers Lutz Anders geschuldet ist. Über die Wochen und Monate haben wir uns auch spielerisch verbessert und unsere Abläufe weiter verfeinert. Mittlerweile greifen die Automatismen und die Jungs müssen nicht mehr so viel nachdenken.
Deine Mannschaft hat in diesem Jahr nur sieben Spiele verloren. Richtest Du im neuen Jahr den Blick auf die Tabelle nach oben oder nach unten?
Klingbeil: Wir befinden uns momentan in einer guten Phase, benötigen aber bestimmt noch zwei oder der Jahre, um vielleicht ganz oben mitspielen zu können.
Du warst zuvor beim Wuppertaler SV in der Regionalliga West tätig. Wie groß sind die Leistungsunterschiede beider Ligen?
Klingbeil: Ich habe bislang sogar schon in drei Regionalligen gearbeitet. Mir fehlt noch die Nord- und die Bayern-Staffel. (lacht) Im Nordosten war ich für den FC Carl Zeiss Jena tätig. Dort kommen die meisten Vereine über die Athletik. In der Regionalliga West steht neben der Physis der spielerische Ansatz im Mittelpunkt. In der Regionalliga Südwest wird alles vereint. Hier sind die Teams technisch wie läuferisch gleichermaßen gut.
Was zeichnet die Regionalliga Südwest ganz besonders aus?
Klingbeil: In der Regionalliga Südwest gibt es viele Traditionsvereine, die diese Liga extrem attraktiv machen. In der West-Staffel sind viele U 23-Mannschaften, die über eine nicht so große Fankultur verfügen. Bei uns waren gegen Kickers Offenbach zuletzt mehr als 10.000 Zuschauer*innen im Stadion. Das ist schon eine Hausnummer.
Worauf legst Du bei Deiner Arbeit als Trainer am meisten Wert?
Klingbeil: Disziplin innerhalb einer Mannschaft ist mir wichtig. Ich achte darauf, dass sich alle untereinander respektvoll verhalten. Ich arbeite mit den Spielern auf Augenhöhe, bin nicht der autoritäre Trainer. Eine klare Struktur und Hierarchie innerhalb einer Mannschaft sind wir ebenfalls wichtig.
Am Saisonende läuft Dein Vertrag beim KSV aus. Wurde bereits über eine mögliche Verlängerung gesprochen?
Klingbeil: Zunächst stehen die Vertragsgespräche bei Geschäftsführer Sören Gonther an. Sollten diese erfolgreich verlaufen, was ich mir wünsche, dann wird der Verein auch mit mir über meine Zukunft sprechen. Sören hat in den letzten zwei Jahren beim KSV viel entwickelt und bewegt. Ich fühle mich sehr wohl in Kassel, würde sehr gerne weiterhin mit Sören Gonther zusammenarbeiten.
Welche mittelfristigen Ziele verfolgst Du mit dem KSV Hessen Kassel?
Klingbeil: Wir wollen im neuen Jahr weiter stabil punkten und uns weiterentwickeln, streben einen einstelligen Tabellenplatz an. Mittelfristig wollen wir in den nächsten Jahren oben mitmischen.
Autor: Peter Haidinger/MSPW
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